The Restless Conscience
Trailer Interview

Das ruhelose Gewissen
Stewart Ain

 

 

ie Äußerung eines Gastes bei einem Abendessen im Jahr 1981 sollte in das Leben der New Yorkerin Hava Kohav Beller tief eingreifen.

Sie ließ buchstäblich „alles stehen und liegen“ und flog drei Wochen später nach Deutschland. Im Laufe der folgenden zehn Jahre reiste sie fünf- bis sechsmal im Jahr nach Deutschland, um sich einer Aufgabe zu widmen, von der sie, wie sie freimütig bekennt, „besessen“ war.

Sie hatte sich vorgenommen, die Geschichten von Menschen filmisch zu dokumentieren, die es gewagt hatten, sich Adolf Hitler und seinem Dritten Reich entgegenzustellen – beginnend mit seiner Machtergreifung im Jahr 1933 bis zu seinem Selbstmord zwölf Jahre später. Dazu musste sie Sachen verkaufen, Unterricht geben, in einer Kunstgalerie arbeiten, für die Metropolitan Opera telefonisch Spenden einwerben und sich Geld leihen zur Finanzierung ihres Vorhabens, dem man Fördermittel verweigerte, weil es als „zu kontrovers“ galt. Nach der Uraufführung im vergangenen Jahr wurde Hava Kohav Bellers Film The Restless Conscience (Das ruhelose Gewissen) für einen Academy Award (Oscar) nominiert, und er erhielt Auszeichnungen von der Petra Foundation am American Institute of Arts and Sciences sowie von der American Film and Video Association. Hava Beller wurde ferner mit dem CINE Golden Eagle Award ausgezeichnet.

 

bgleich sie in eine deutsche jüdische Familie in Frankfurt am Main hineingeboren wurde, betont Hava Beller, dass ihr Vorhaben nichts mit ihrer Herkunft zu tun hatte, war sie doch erst achtzehn Monate alt, als ihre Eltern, Max Stern und Lotte Marcusy, mit ihr nach Israel gingen. „Aber der Idealismus, den ich kennenlernte, als ich im Kibbuz Geva am Fuße des Berges Gilboa heranwuchs, brachte mir die Menschen nahe, die Widerstand leisteten. Man lehrte uns, für andere Verantwortung zu übernehmen, für Gerechtigkeit einzutreten und für das, was wir für richtig hielten, zu kämpfen.“

In Hava Bellers Kindheit in Israel erwähnte ihre Mutter nie den Holocaust. Einmal aber war der Ausdruck auf dem Gesicht ihrer Mutter stärker als jedes Wort. Es war ein Ereignis, das in ihr Gedächtnis eingebrannt ist.

„Ich erinnere mich, dass meine Mutter – Jahre nach dem Ende des Krieges, ich war noch sehr jung – einen Brief vom Roten Kreuz erhielt, in dem ihr mitgeteilt wurde, ihre Mutter sei in Auschwitz umgekommen. Ich sehe noch den Ausdruck auf ihrem Gesicht – den Schmerz, das Entsetzen. Es war, als sei etwas Furchtbares, etwas sehr Ernstes geschehen. Sie weinte nicht, doch das Leben war aus ihrem Gesicht gewichen. Ihr Gesicht glich einer Totenmaske. Die Erinnerung an den Holocaust stand ihr ins Gesicht geschrieben. Es war sehr plastisch, und es machte mir Angst. Ich sagte nichts. Ich spürte, sie wollte nicht darüber sprechen. Sie sagte nichts, ich fragte nichts.“

 

ls Hava Beller ihrer Mutter 1981 von dem Vorhaben erzählte, blickte die Mutter sie „lange an, und dann sagte sie: ‚Ich habe mich so sehr bemüht, dich von all dem fernzuhalten.’“ Beller sagt, ihre Mutter habe ihr von ihrem Leben während des Krieges nichts erzählen wollen, und sie habe das so erklärt: „Kinder nehmen ihre Eltern nicht als Menschen wahr.“

Obgleich ihr Vater sie zu ihrer Filmarbeit ermutigte, hatte sie bis zu seinem Tod im Jahr 1982 keine Gelegenheit, das Vorhaben mit ihm zu besprechen. Ihre Mutter starb 1984.

 
Hava Kohav Beller
 

Hava Beller, die mit einem französisch klingenden Akzent spricht, von dem sie mit einem Lachen sagt, sie wisse nicht, wie sie ihn erworben habe, erzählt von einer unbeschwerten Jugendzeit. „Als Teenager bin ich in die Vereinigten Staaten gegangen, um bei meinem Vater zu leben und die Juilliard School zu besuchen, wo ich Musik, Ballett und modernen Tanz studierte.“

Hava Beller wurde Tänzerin und Choreographin, gründete in New York eine eigene Tanzgruppe und wirkte in Off-Broadway-Produktionen mit. Sie hatte Hauptrollen in den Off-Off-Broadway-Produktionen von Michail Bulgakows Zoya’s Apartment (Sojas Wohnung) und Steinbergs Playing with Fire.

Sie heiratete Dr. Alexander Beller, einen Psychoanalytiker, und sie bekamen einen Sohn, Thomas. Ihre Ehe dauerte zwölf Jahre; sie fand durch Dr. Bellers Tod ein jähes, tragisches Ende.

Hava Beller drehte einen Film für eine Multimedien-Produktion, zu der auch Theater und Tanz gehörten. Ungeachtet der kurzen Laufzeit der Produktion sah sich Hava Beller durch den Erfolg ermutigt, bei Arnold Eagle an der New School for Social Research von 1979 bis 1981 Film zu studieren.

 

Sie beschreibt ihre Ausbildung im Filmemachen als eine „wunderbare“ Erfahrung. Sie drehte, erzählt sie, „bei Arnold Eagle 1980 zwei kurze Studentenfilme und begann mit der Arbeit an einem Film über deutsche Maler des Expressionismus im geschichtlichen Kontext zu Anfang des 20. Jahrhunderts. Und damals entdeckte ich, dass es in den dreißiger und vierziger Jahren einen deutschen Widerstand gegen Hitler gab.“

Hava Beller, in einem weiten grünen Pullover und in Hosen, im dunklen Haar Spuren von Grau, sagt, sie habe bei einem Abendessen im Frühjahr 1981 von diesem Widerstand erfahren, und zwar von Dorothea von Haeften-Steinhardt, der Frau eines Bekannten. Steinhardt sprach über ihre Herkunft und erwähnte, dass ihr Vater, Hans-Bernd von Haeften, wegen seiner Rolle im deutschen Widerstand von den Nazis gehängt worden war.

„Ich war wie vom Blitz getroffen, als ich das hörte. Ich hatte nicht gewußt, dass es eine Untergrundbewegung gegen die Nazis gegeben hatte. Steinhardt sagte, ihr Vater sei im diplomatischen Dienst tätig gewesen, bevor Hitler an die Macht kam, und er sei im Auswärtigen Amt geblieben, um für den Widerstand mehr tun zu können. Er gehörte zu einer Gruppe von Menschen aus dem Zivilleben, die Hitler von Anfang an Widerstand leisteten. Durch ihre Bemühungen, bei den Alliierten, vor allem bei England und Frankreich, Unterstützung zu finden, wollten sie Hitler Einhalt gebieten, noch bevor es zu einem Krieg kam. Nach Ausbruch des Krieges versuchten er und seine Freunde, dem Krieg und den Greueltaten ein Ende zu setzen. Er wurde schließlich verhaftet, vor Gericht gestellt und 1944 gehängt.“

Hava Beller sagt, ihr wurde schnell deutlich: Außerhalb Deutschlands wussten nur wenige, dass es einen Widerstand gegeben hatte, und selbst in Deutschland hatte man davon nur oberflächliche Kenntnisse.

Als ihr das klar geworden war, legte sie ihren Film über deutsche Maler des Expressionismus auf Eis und flog nach Deutschland. „Ich fand es unglaublich, dass wir nichts über den Widerstand wussten, und ich war entschlossen, einen Film darüber zu machen. Die Expressionisten konnten warten....“

„Ich fand es unglaublich, dass hier niemand etwas von den Widerstandskämpfern wusste. Sie waren einfach verschwunden, obwohl sie doch etwas ganz Außerordentliches getan hatten. Sie hatten eine Wahl gehabt. Sie mussten nicht tun, was sie taten. Doch sie taten es, wissend, dass sie ihr eigenes Leben und das Leben ihrer Familien in Gefahr brachten. Sie hatten ihr Leben geopfert, und mir schien, es war nicht richtig, dass so wenige Menschen darum wussten. Ich wollte erfahren, wer sie waren, warum sie taten, was sie taten, und welche Hindernisse sie zu überwinden hatten.“

Doch seit dem Zweiten Weltkrieg waren mehr als vierzig Jahre vergangen, und Hava Beller wusste, es würde „ein Wettlauf gegen die Zeit“ werden, wenn sie betagte Menschen, die die Widerstandskämpfer gekannt hatten, ausfindig machen und vor die Kamera bekommen wollte.

„Ich kannte niemanden, und ich sprach nicht einmal deutsch. Das einzige, was ich besaß, war die Telefonnummer einer Freundin meines Vaters. Schon tags darauf war ich zum Tee bei ihr, und sie sagte: ‚Ich habe da genau den Richtigen für dich.“ Sie griff sogleich zum Telefon, und schon war ich für den folgenden Tag eingeladen zum Mittagessen mit dem Sohn eines Widerstandskämpfers.“ Zehn Jahre lang konnte Hava Beller bei ihrer Suche nach Leuten, die Widerstandskämpfer kannten, auf diese Weise Kontakte knüpfen.

Anders als bei den Widerstandsbewegungen in Frankreich, Jugoslawien und anderswo konnten sich die Widerstandskämpfer in Deutschland „nicht zu einer Bewegung organisieren. Widerstand war eine individuelle Entscheidung. Die Beteiligten kamen nicht aus einer bestimmten politischen Partei, und sie kamen aus ganz unterschiedlichen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Kreisen.“

Die Geheime Staatspolizei war sehr erfolgreich im Aufdecken subversiver Tätigkeit. Bestenfalls konnten die Widerstandskämpfer „lose Gruppen bilden, denn es war für die am Widerstand Beteiligten gefährlich, einander zu kennen. Daher gab es ein starkes Gefühl der Isolation. Es fehlte der Halt, den man in einer Gruppe findet.“ Zu den erfolgreichsten Widerstandskämpfern gehörten diejenigen, die im Staats- und Militärdienst blieben, weil sie ihre höhere Stellung zur Tarnung nutzen konnten, betont Hava Beller.

 

 

ls Hava Beller 1991 den Film fertigstellte, hatte sie 30 Interviews mit den Familien und Freunden von Widerstandskämpfern geführt – und zu den Interviewten gehörten fünf, die selbst im Widerstand gewesen waren.

Die Interviews nahmen eine bis acht Stunden in Anspruch. „Für einige war es gut, darüber zu sprechen, während andere nur ungern reden wollten. Einige weigerten sich kategorisch, gefilmt zu werden, doch ich sagte ihnen, ich käme an dem und dem Tag mit meinem Team wieder, und als ich kam, war jeder mit einem Gespräch vor der Kamera einverstanden.“

Bei der Rekonstruktion des Widerstands stützt sich der Film in großem Umfang auf Filmausschnitte aus Archivmaterial und auf Originalinterviews. „Der Gegenstand bedurfte keiner redaktionellen Erläuterung“, sagt Hava Beller.

Eine der bewegendsten Aussagen kam von Axel von dem Bussche, der damals, als Achtzehnjähriger, Offizier im 9. Infanterieregiment war. „Er war dabei, als die deutsche Wehrmacht in Polen, Frankreich und Russland einfiel“, erinnert sich Hava Beller. „Er sah, was geschah, und er reagierte nicht darauf. Er hatte, wie er sagte, einen Vorhang heruntergelassen, um nichts wahrnehmen zu müssen. Das blieb so, bis er in Russland ein Massaker an Juden sah. Das trieb ihn zum Handeln.“

In dem Interview berichtet von dem Bussche, wie er Zeuge war, als nackte Männer, Frauen und Kinder in langer Reihe in eine Grube geführt wurden, wo sie von schwarz uniformierten SS-Leuten ermordet wurden. „Und ich habe einige Zeit gebraucht, bis ich begriff, dass hier eine Vernichtung stattfand, die Vernichtung von Juden“, sagte er. „Ich wusste instinktiv, hier ist eine Art traditioneller, akzeptierter Harmonie zerstört worden.“

Hava Beller sagt: „Er ist der Jedermann – jeder von uns, der nicht reagiert auf Dinge, deren Zeugen wir sind. Er aber zog Konsequenzen. Es kam ein Punkt, wo er reagieren musste. Er beschloss, den letzten Schritt zu tun – er meldete sich freiwillig zu einem Selbstmord-Attentat zur Ermordung Hitlers.“

Das war keine leichte Aufgabe. Sprengstoff war schwer zu beschaffen. Ein englischer Blindgänger von einem Schlachtfeld lieferte die Sprengladung. Dem Plan nach sollte von dem Bussche die Bombe am Leib tragen, wenn er Hitler am nächsten Tag neue Winteruniformen vorführte. Sobald Hitler in Reichweite wäre, sollte von dem Bussche sich auf ihn stürzen und die Bombe zünden.

„Aber in der Nacht vor Hitlers Ankunft wurden die Uniformen durch einen Bombenangriff der Alliierten zerstört, und die Vorführung wurde abgesagt“, sagt Hava Beller. Von dem Bussche sagt im Film, es schmerze ihn noch immer, dass er die Massentötungen nicht hat stoppen können. „Es ist meine Verantwortung und meine Schuld, dass ich noch am Leben bin.“

Hava Beller betont, dass die Pläne, Hitler zu töten, nur ein Teil der Widerstandsarbeit waren und sich erst entwickelten, als klar wurde, dass die Tötungsmaschine der Nazis nicht vor der Ermordung Hitlers zum Stillstand käme. „Es gab Anstrengungen, Hitler an der Machtergreifung zu hindern, und als er an der Macht war, gab es Bemühungen, ihn zu stürzen und ihn wegen Verletzung der Bürgerrechte vor Gericht zu stellen“, sagt sie. „In den dreißiger Jahren gab es ferner Versuche, den Krieg zu verhindern, indem man Großbritannien und Frankreich dazu bringen wollte, Hitler die Stirn zu bieten.“

 

Andere Widerstandskämpfer, darunter Hans Oster in der Abwehr, Peter Graf Yorck von Wartenburg, Beamter im Staatsdienst, der Jurist Hans von Dohnányi und der Anwalt für internationales Recht Helmuth James Graf von Moltke setzten sich dafür ein, Juden aus Deutschland herauszubringen. Und zu einer Zeit, als die Amtskirchen keinerlei Widerstand anmeldeten, verurteilte der evangelische Pfarrer und Theologe Dietrich Bonhoeffer Hitler öffentlich und predigte, der christliche Glaube fordere Widerstand gegen den Nazismus. „Nur wenn man um die Juden weint, ist es erlaubt, gregorianische Lieder zu singen.“

Mit Kriegsbeginn wurde die Widerstandsarbeit immer schwieriger. Hans von Dohnányi wird mit den Worten zitiert: „In Zeiten des Sieges gegen die öffentliche Meinung im eigenen Land anzuschwimmen, ist schwierig.“

Doch der Widerstand ging weiter; mehrere Widerstandskämpfer arbeiteten in der Abwehr und im Auswärtigen Amt. Adam von Trott zu Solz, ein Staatsbeamter, reiste nach Übersee und bat in verschiedenen Ländern um Unterstützung für die Widerstandsarbeit. Präsident Franklin D. Roosevelt lehnte es ab, ihn zu empfangen.

Der Widerstand endete 1944 mit einer Reihe von Schauprozessen in Berlin, in denen mindestens 170 Widerstandskämpfer vor Gericht standen und verurteilt wurden. Die meisten der in diesem Film Porträtierten wurden hingerichtet.

 

er Film wurde anfangs nicht eben mit offenen Armen empfangen. „Gegen dieses Thema gab es auf beiden Seiten des Atlantiks erhebliche Widerstände“, sagt Hava Beller über ihren Film. „In Deutschland gab es schweigende Ablehnung und in Nordamerika ein ausgesprochenes Widerstreben, die in dem Film aufgeworfenen Probleme zu behandeln.“

Sieben Jahre vergingen mit der Arbeit am Film und mit Demonstrationsvorführungen vor potentiellen Förderern, ehe Gelder flossen. The National Endowment for the Humanities war die Einrichtung, von der Hava Beller die erste richtige Förderung erhielt. Dann kamen Beihilfen von der Corporation for Public Broadcasting und von der MacArthur Foundation. Doch die Filmemacherin hat noch immer Schulden und hofft, von ihren Aufwendungen einiges durch den Verkauf von Videokassetten, Fernsehsenderechten und Kinokarten wieder hereinzubekommen.

„Die Menschen sind fasziniert vom Bösen“, sagt Hava Beller, und sie räumt ein, dass diese Periode der Geschichte auch sie reizt. Von ihrer Freizeit wendet sie viel an einschlägige Lektüre, und sie erwägt, einen weiteren Film zu drehen. Inzwischen aber wirbt sie für Das ruhelose Gewissen, und sie spricht über die wichtigen Lektionen, die von den Widerstandskämpfern zu lernen sind.

„Sie haben eine moralische und ethische Entscheidung getroffen. Sie hatten nicht die geringste Chance. Ihre Erfolgsaussichten waren gleich Null, und doch handelten sie. Dieser Film ist ein Dokument über Menschen, die dem Bösen die Stirn boten – trotz der tödlichen Gefahr für sie selbst und für ihre Familien. Das reicht weit über Deutschland hinaus; es betrifft uns alle.“

Hava Beller fragt sich oft, was sie getan hätte, hätte sie in den Schuhen der Menschen gesteckt, die Widerstand leisteten. Hätte sie „den Mut gehabt, zu tun, was sie taten? Und überhaupt – wie viele von uns hätten ihn gehabt?“

„Mir ist das, was während des Holocaust geschah, unbegreiflich. Es ist eine dunkle Leere. Und doch weiß ich, dass die Nazis Menschen waren, sie waren keine andere Spezies. Das bedeutet, dass dieses Böse in uns allen steckt. Es war für mich ganz entscheidend, Menschen zu finden, die dem Bösen die Stirn boten und die das Positive im menschlichen Geist lebendig erhielten. Für mich war das lebenswichtig.“

Der Film ist in den Vereinigten Staaten und in einer Reihe überseeischer Länder gezeigt worden. Viele Überlebende von Konzentrationslagern, die ihn sahen, so Hava Beller, „dankten mir, und Tränen rollten ihnen über die Wangen. Kinder von in Konzentrationslagern Umgekommenen sagten mir, sie wünschten, ihre Eltern lebten noch und könnten ihn sehen. Kinder von Nazis kamen zu mir mit Tränen in den Augen. Sie waren tief bewegt und erschüttert, und sie bezeugten ihre Dankbarkeit.“

In Russland wurde Hava Beller, nachdem das russische Fernsehen den Film gesendet hatte, von Leuten auf der Straße angehalten, die ihr danken wollten. Viele Russen „verstanden ihn als antifaschistischen Film. Sie identifizierten sich mit ihm, und sie empfanden, dass es ein Film war über sie und über ihre eigene schwierige Geschichte.“

Als er letztes Jahr in Deutschland im Fernsehen gelaufen war, äußerten sich viele verärgert darüber, dass man nicht den ganzen Film gezeigt hatte. Der Film dauert 113 Minuten, aber das deutsche Fernsehen schnitt ihn auf 95 Minuten zurecht, damit er in ein Zeitfenster passte.

„Ich habe nach der Sendung viel Lob erhalten. Ich bekomme noch immer Briefe, zumeist Dankesbriefe. Einige Briefe kamen von deutschen Soldaten, die zu erklären suchten, warum sie keinen Widerstand geleistet hatten. Die meisten sagten, sie seien durch den Treueid gebunden gewesen, den sie Hitler geschworen hatten.“

Über ihre Arbeit nachdenkend, sagt Hava Beller: „Der Film handelt von der Hoffnung und davon, was man tun kann, um dem Bösen die Stirn zu bieten. Junge Leute sollten erkennen, was in Zeiten der Not getan werden kann, und dass es selbst in den finstersten Zeiten stets Licht gibt.“

(Veröffentlicht im Magazin Lifestyles)

Deutsch von Peter Kleinhempel

 

 

© 2006 Hava Kohav Beller • Website by Alexej Steinhardt